Korrekturverhalten
Umfrage: Zählen auch Sie während des Korrigierens die verbleibenden Arbeiten? 22.02.2025, 22:17

Sobald eine halbwegs umfangreiche Korrektur vorliegt, tun die Lehrpersonen alles, um sich psychisch zu entlasten. Wichtigste Maßnahme: Das Zählen der verbleibenden noch zu korrigierenden Arbeiten.
Es gibt vielerlei Strategien, wie man mit Korrekturen umgehen kann (-> Lehrerfreund-Beitrag: Korrekturen und Korrekturstrategien). Letztendlich läuft alles auf zwei Punkte hinaus: Man will sich zum Durchhalten und Weitermachen motivieren, und man will sich psychisch entlasten.
Es gibt verschiedene Grundstrategien des Korrigierens (Arbeiten in Häufchen aufteilen, Korrekturpausen mit Spaziergängen, Wein oder Schokolade konsumieren), die von Person zu Person variieren. Eine Strategie kommt jedoch durchweg zum Einsatz: Alle zählen die verbleibenden Arbeiten.
Man startet dynamisch in die Korrektur, besessen von dem Vorsatz, es diesmal wirklich zügig durchzuziehen. Nach vier bis fünf Arbeiten beginnt die Seele zu ermatten, und spätestens bei der zehnten Klausur angekommen nimmt man den unkorrigierten Stapel und beginnt zu zählen. Interessant: Man nimmt doch nie den Stapel der schon korrigierten Arbeiten, zählt und bildet die Differenz. Das wäre irgendwie nicht ethisch.
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Auswertung der Umfrage
Die Durchsicht von mehr als 50 Kommentaren lässt vermuten, dass tatsächlich fast alle Lehrer/innen zumindest hin und wieder die verbleibenden Klausuren zählen. Nur wenige zählen nicht; als Begründung führen sie an, dass die verbleibende Anzahl IMMER zu hoch (und damit: deprimierend) ist.
Die meisten fangen möglichst spät zu zählen an, damit ein ein Ende in Sicht ist (= Hälfte überschritten, nur noch zehn …):
Ich versuche aber immer so lange wie möglich durchzuhalten, bis ich damit anfange. Ich finde es frustrierend, wenn ich zähle und feststelle, ich habe sieben von dreißig.
Andere wiederum zählen mit einer geradezu prokrastinativen Besessenheit, etwa:
Ich zähle nach jeder fertig korrigierten Arbeit. Ich schichte um, bilde Häufchen und zähle.
Ich zähle die schon korrigierten Arbeiten und die noch zu korrigierenden Arbeiten.Kommentar Schülerfreund, 01.02.2010
Wem das zu viel Zähl-Fetischismus ist, der kann die Strategie von »Digis« anwenden:
Ich brauche nicht zu zählen - ich schreibe beim Abgeben der Schüler eine laufende Nummer oben links in die Ecke. …
Die Nummer enthält für Eltern, Schüler und mich die Info, wann der Schüler abgegeben hat. ZB ist das interessant, … wenn es eine frühe Zahl ist und sehr viele Flüchtigkeitsfehler in der Arbeit sind - es wäre dann also noch Zeit zum Nachsehen gewesen. So können ohne großen Aufwand Strategien entwickelt werden.
Der Nebeneffekt ist, dass ich immer darüber im Bilde bin, an welcher Stelle ich beim Korrigieren bin.
Kommentar Digis, 18.03.2013
Teilweise wenden die geknechteten (Deutsch-)Lehrer/innen raffinierte selbstsuggestive Tricks an. Viele arbeiten nach dem “Fünferprinzip” (den Korrekturstapel in Fünferschritten abarbeiten). Auch das Prinzip der Selbstbelohnung (teilweise gekoppelt mit dem Fünferprinzip) kommt häufig zur Anwendung.
Diese knappe Zusammenfassung zeigt, dass das Korrigieren von (Deutsch-)arbeiten wohl immer zum Teil auch ein stumpfsinniger, irgendwie sinnlos scheinender Job ist, dem man mit Ablenkung und Selbstüberlistung begegnet. Wohl deshalb gelingt es nur wenigen Lehrer/innen, ihre Korrekturen stets relativ zügig zu erledigen (s.a.: Korrekturen nicht rechtzeitig fertig? 3 gute Ausreden).